Unsere Mentor:innen – Clemens Brandstetter

Clemens Brandstetter ist seit der ersten Stunde ein wichtiger Unterstützer des Impact Factory Netzwerkes und auf verschiedensten Ebenen integraler Bestandteil unseres Programms. Was Clemens für uns — bzw. vielmehr für euch — tut, erfahrt ihr hier im Interview.


Was machst du so? Kannst du dich kurz vorstellen?

Ich habe in den letzten 25 Jahren in diversen Management-Positionen innerhalb von Großunternehmen im Bereich Geschäfts- und Unternehmensentwicklung gearbeitet, genauer im Bereich Strategie und IT.

2013 bin ich aus dem Konzern-Kontext rausgegangen, um als geschäftsführender Gesellschafter der macc Management- und Unternehmensberatung einzusteigen. Seitdem übertrage ich meine Expertise aus dem Unternehmenskontext in Beratung, Training und Coaching zu Kernthemen Sales & Service Excellence, Change & Culture Management, Corporate Innovation oder Agilität.

Wie bist du Teil der Impact Factory geworden?

Zum einen verbindet mich seit fast 15 Jahren eine persönliche Freundschaft mit Anthropia Co-Founder Dirk Sander. Schon weit vor dem Bestehen der Impact Factory haben wir uns darüber Gedanken gemacht, wie wir wertorientierte Unternehmensführung und gesellschaftliche Verantwortung in Unternehmen vorantreiben können. Und da wir selbst zuvor an ähnlicher Stelle standen: Ein Teil unserer „Mission“ besteht darin, dass diese Überzeugungen in möglichst allen Management-Ebenen fest verankert sind, um die Transformation der Wirtschaft zu einer nachhaltigeren und noch mehr Leben dienlichen Ökonomie voranzutreiben.

Über diesen engen Kontakt bin ich von Anfang an Teil der Impact Factory – von der Konzeption bis hin zur konkreten Durchführung diverser Workshops.

Was sind deine Überzeugungen? Was motiviert dich?

Während ich zu meiner Zeit in Großkonzernen viel an Restrukturierungen und Co. gearbeitet habe, kam mir gleichzeitig Anfang 30 die Erkenntnis, dass ich das eigentlich „nicht bin“ oder mir dabei zumindest etwas fehlt. Etwa 2007 habe ich letztendlich das Thema Social Business für mich entdeckt und kurz darauf noch intern bei meiner Tätigkeit bei der Telekom ehrenamtlich vorangetrieben, in Form von Social Intrapreneurship. Der nächste Schritt dieser Entwicklung war dann das Projekt managerfragen.org: Dialog zwischen Gesellschaft und führenden Personen aus der Wirtschaft. Vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise Anfang 2009 ging es anfangs vor allem um Vertrauens-Rückgewinnung, und darum, miteinander anstatt übereinander zu reden. Nur so können wir auch konsequent an den gesellschaftlichen Herausforderungen arbeiten.

Und warum Social Business? Was reizt dich an dieser Idee?

Man könnte schon behaupten, dass ich früh in diese Ausrichtung geprägt worden bin. Meine Eltern haben sich privat sowie beruflich früh mit Themen rund um Nachhaltigkeit auseinandergesetzt — lange bevor diese relevante Aufmerksamkeit bekommen haben, im Gegenteil eher belächelt oder sogar gemieden wurden. Auch in meinem Wirtschaftswissenschafts-Studium habe ich mich vor mittlerweile etwa 30 Jahren schon mit den frühen Vorläufern solcher Themen befasst. Dann bin ich wie eingangs erzählt erstmal in die klassische Wirtschaft gegangen, jedoch immer mit diesen Gedanken nach Alternativen, Veränderung, Innovation und einem Zusammenbringen von Ökonomie und Ökologie im Hinterkopf.

Sehr viel geschah in der Vergangen in punkto gesellschaftlicher Verantwortung viel auf Charity-Ebene, der entscheidende Schritt ist jedoch, eben nicht nur „Charity und Donation zu machen“, sondern unternehmerische Fähigkeiten auch konkret in Lösungen zu übersetzen und soziale wie ökologische Probleme skalierbar anzugehen. Das ist mein Selbstverständnis von „Zurückgeben“ bzw. Verantwortung von Führungskräften und auch zeitgemäßem Unternehmertum.

Um Systeme langfristig zu verändern, braucht es darüber hinaus Druck von außen wie auch von innen (Intrapreneurs, „Organisations-Rebellen“). Von außen schaffen das Bewegungen wie zum Beispiel Friday for Future oder zuletzt auch der Staat; ich selbst möchte intern dazu beitragen, Wirtschaft und Management zum Neu- und Umdenken zu bewegen. Es ist an diesem Punkt nicht möglich, Unternehmen aus Lösungsansätzen einfach „wegzudenken“ oder negativ zu stigmatisieren, vielmehr bedarf es der entsprechenden Governance-Systeme (Spielregeln), um konsequent zum Besseren zu verändern und das Mindset von Entscheidungsträger:innen zu entsprechend zu prägen.

Ok, nun zu deiner Arbeit bei der Impact Factory. Welche Rolle(n) übernimmst du genau?

Zum einen war ich an der Konzeption und dem Aufbau der Impact Factory beteiligt, anfangs bei der Entwicklung des Programms, später zum Beispiel bei der Virtualisierung nach dem Eintreten von Corona. Zum anderen gestalte ich zum Start eines jeden Batches das Intro Bootcamp-Format, das aus zwei Veranstaltungen besteht. Zum Impact Factory Start lagen noch deutlich mehr Veranstaltungen bei mir, diese konnte ich aber mit dem Wachstum des Mentor:innen-Netzwerkes schrittweise an andere Expert:innen abgeben.

Noch einen Schritt zuvor bin ich Teil bzw. ein Juror des „Assessment Centers“, bei dem wir mit den Bewerber:innen ins Gespräch treten, um die Ideen und Gründer:innen-Persönlichkeiten einzuschätzen und letztendlich eine Auswahl zu treffen.

Welche Skills möchtest du den Teilnehmer:innen vermitteln?

Etwas konkreter sehe ich meine Expertise besonders in der Start-up-Frühphase. Das heißt, ich unterstütze ganzheitlich vom Ideation-Prozess bis hin zum Go-to-Market. Für das Business-Modelling wie auch die Ausgestaltung des Operating Modells kann ich auf bewährte Erfahrung aus meiner vorherigen Konzerntätigkeit und der aktuellen Beratung zurückgreifen.

Gleichzeitig kann ich – unabhängig vom Entwicklungsstadium – ein weitläufiges Netzwerk bieten.

Hast du eine Lieblings-Start-up-Branche? Welche Ideen oder Personen überzeugen dich besonders?

Ja, ich glaube, hoffe und bin auch überzeugt davon, dass Technologie als Enabler einen großen Beitrag zu Problemlösungen beitragen kann. Selbstverständlich werden wir dabei immer auch auf neue, vor allem ethische, Herausforderungen treffen – beispielsweise, wenn wir über KI oder Robotik sprechen. Aber aus meiner Sicht ist bei einem Blick auf die Weltbevölkerung Wohlstand für alle nur über begleitende Technologiesprünge zu meistern. Ich denke nicht, dass es einen Schritt zurück geben wird, also müssen wir vielmehr erreichen, dass über diesen Weg Versorgung, Wohlstand für alle und eine würdevolles Leben gewährleisten können.

Darüber hinaus wünsche ich mir, dass Frauen – auch besonders Frauen in technischen Branchen – weiter in den Vordergrund rücken, um Lösungen zu entwickeln und die Welt zu verändern.

Warum sollten Start-ups zur Impact Factory kommen?

Ich glaube, der Impact Factory ist es gelungen, eine einmalige Community aus mittlerweile 90-100 Start-ups aufzubauen. Diese ist vor allem sehr heterogen, sie besteht aus unterschiedlichsten Branchen, Entwicklungsphasen und Geschäftsmodellen. In diesem Setting können alle Mitglieder besonders viel voneinander lernen und auch adaptieren. Der Bezugspunkt der einzelnen Teams liegt nicht in einer Branche, sondern dem breiten Spektrum der 17 SDG.

Zweitens – und daran anschließend – überzeugen mich die Menschen nicht nur in der Substanz ihrer Ideen, sondern auch in ihren Haltungen und Werten. Ich kann klar beobachten, dass im Gegensatz zu anderen Kontexten wesentlich mehr Miteinander und Kooperation als Konkurrenz oder Wettbewerb gepflegt wird. In unserer Zusammenarbeit besteht Offenheit, gegenseitiges Interesse und auch menschliche Nähe. Diesen Spirit vermitteln wir bereits früh im Programm.

Und nicht zuletzt haben wir auch ein exzellentes Programm aufgebaut, das sich an bewährten, aktuellen Modellen der Start-up Branche orientiert. Dafür hatten wir uns anfangs verschiedene Best Practice Elemente angeschaut und versucht, all diese in unserem Inkubator zu vereinen. Der Erfolg, d.h. das Feedback von den Startups und dem Öko-System, bestätigt uns dabei in unserem Ansatz.

So entsteht am Ende nicht nur eine professionelle, sondern auch inspirierte und „engaging“ Arbeitsatmosphäre, die einfach Spaß macht.

Zum Abschluss: Was würdest du Unentschlossenen mit auf den Weg geben?

Grundsätzlich beginnt das Unternehmer-Sein (oder -Werden) natürlich mit Mut und an dem Glauben an die eigene Idee. Gleichzeitig ist es für Start-ups besonders wichtig, Offenheit und Veränderungsfähigkeit mitzubringen. Es wird fast immer so sein, dass sich die erste Idee bis hin zur Gründung verändert und weiterentwickelt, evtl. auch in Richtungen, die man anfangs nicht erwartet hat. Außerdem ist das richtige Netzwerk aus Unterstützer:innen extrem wichtig, die nicht nur inhaltlich, sondern auch emotional begleiten und auffangen.

Vielen Dank, Clemens! Wir sehen uns beim Assessment Center wieder!

Wenn du mit uns zusammenarbeiten möchtest, bewirb dich mit deiner Startup Idee bei uns — die aktuelle Bewerbungsphase läuft noch diese Woche bis zum 16. Mai. Einfach hier ein paar grundsätzliche Fragen zu dir/ euch beantworten und noch dieses Jahr mit uns loslegen!

  • Patrick Weisker | 
  • 10. Mai 2021 | 
  • Kategorien: Blog